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Alexandra Klei | Einen Ort erinnern. Die Darstellung der jüdischen KZ-Gefangenen auf dem heutigen Gelände der Gedenkstätte Buchenwald

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Seit der in den 1990er Jahren in Gang gesetzten umfassenden Neugestaltung der KZ-Gedenkstätten wird die Geschichte des jeweiligen Ortes nicht mehr allein in Ausstellungen vermittelt; vielmehr erfolgt eine Rückbindung einzelner Darstellungen an konkrete Punkte des ehemaligen Lagergeländes. Damit kommt den konkreten materiellen Orten und ihrer (vormaligen) baulichen Struktur eine größere Bedeutung für die Vermittlung historischen Wissens zu. Der Beitrag widmet sich exemplarisch der gestalteten Erinnerung an die jüdischen Insassen des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Gelände der heutigen Gedenkstätte Buchenwald (bei Weimar). Mit der Beschreibung und Analyse der Denkmale, Inschriften, Fotografien und Texte stehen dabei die materiellen Träger von Informationen im Zentrum der Betrachtung. Deutlich wird, welche historischen Aussagen und Vorstellungen den Besucher/innen zur Geschichte der KZ-Gefangenen vermittelt werden sollen und in welchem Verhältnis der historische Ort des Lagers und der gestaltete Ort der Gedenkstätte stehen.

Anna-Carolin Augustin | Nazi Looted Art in Israel: Kulturguttransfer nach 1945 und Restitution heute

Anna-Carolin Augustin, Nazi Looted Art, Israel, Restitution, Kulturguttransfer, Holocaust Era Asset Restitution Taskforce, Jewish Agency for Israel, HaShava

Seit der Washingtoner Konferenz (1998), bei der sich 44 Staaten zu fairen und gerechten Lösungen bei der Restitution von Nazi Looted Art aussprachen, folgten weltweit zahlreiche und spektakuläre Restitutionsfälle. Der Umgang mit Nazi Looted Art avancierte so international zu einer zentralen Problemstellung für Kunstinstitutionen. Auch israelische Einrichtungen sahen sich mit dieser Problematik konfrontiert. Nicht nur über Transfers des internationalen Kunstmarktes sondern auch über jüdische Treuhandorganisationen wurden Kunst- und Kulturgüter, die von den Nationalsozialisten geraubt worden waren und nach 1945 keinem jüdischen Alteigentümer/in zugeordnet werden konnten, nach Israel transferiert. Der Artikel zeichnet anhand von Fallbeispielen die verschiedenen Wege von Nazi Looted Art nach Israel nach und fragt, insbesondere vor dem Hintergrund der internationalen Entwicklungen der Kunstrestitution seit 1998 bis heute, nach dem Umgang israelischer Museen mit den einst geraubten Objekten.

Ines Sonder | Stadtkronen für das Neue Zion. Zur Bruno-Taut-Rezeption unter zionistischen Architekten

Bruno Taut, Stadtkrone, Utopische Architektur, Zionistische Architektur, Gartenstadt, Erez Israel, Richard Kauffmann, Erich Mendelsohn, Alex Baerwald, Alexander Levy

Bruno Taut war eine Schlüsselfigur der Architektur um 1920, seine visionären Schriften und Manifeste wie das expressionistische Architekturtraktat Die Stadtkrone (1919) gehören bis heute zu den Inkunabeln utopischer Architektur. Tauts Einfluss auf die deutsche Nachkriegsarchitektur wurde kunst- und architekturhistorisch umfangreich analysiert. Die Rezeption seiner Ideen und Schriften innerhalb der ersten Generation zionistisch gesinnter Architekten, die sich aktiv am Aufbau einer neuen jüdischen Gesellschaft auf dem Boden von Erez Israel beteiligten, wurde in der Taut-Forschung bislang übersehen. Zu ihnen zählen Alex Baerwald, Alexander Levy, Richard Kauffmann und Erich Mendelsohn – Namen, die aus der Architekturgeschichte Israels nicht wegzudenken sind. In ihren Entwürfen trugen sie die Idee der ‚Stadtkrone‘ nach dem neuen Zion. Im Vordergrund der Analyse steht die Frage, welche Aspekte die zionistischen Architekten aus dem Taut’schen Werk rezipierten und welchen sie in ihren städtebaulichen Visionen für Erez Israel Gestalt gaben.

Malte Gebert | Die Rezeption der Protokolle der Weisen von Zion in Ägypten – ein Plädoyer für die Beachtung raumspezifischer Besonderheiten in der Antisemitismusforschung

Antisemitismus, Nahost-Konflikt, Ägypten, Protokolle der Weisen von Zion, Reiter ohne Pferd, Sayyid Qutb, Muhammad Subhi, Islamismus, Anti-Semitism, Middle East-Conflict, Egypt, Protocols of the Elders of Zion, Knight without a Horse, Sayyid Qutb, Muhamm

Die Protokolle der Weisen von Zion gelten zu Recht als Schlüsseltext des modernen Antisemitismus. Anhand ihrer ab den 1920er Jahren beginnenden Rezeptionsgeschichte in Ägypten wird an Beispielen - unter anderem der Theorie des Islamisten Sayyid Qutbs und der TV-Serie Reiter ohne Pferd - herausgearbeitet, worin die raumspezifischen Besonderheiten des arabischen Antisemitismus liegen. Als Plädoyer gegen eine Import-Theorie, die den Antisemitismus im arabischsprachigen Raum als von außen aufgesetzt begreift, wird im Aufsatz anhand der Quellen gezeigt, wo der verschwörungstheoretische Antisemitismus der Protokolle der Weisen von Zion an sozio-kulturelle Kontexte der ägyptischen Gesellschaft anschlussfähig war und ist. In den Blick gerät hiermit insbesondere die theoretische Anstrengung mit der Sayyid Qutb, eine ‚ewige Feindschaft‘ zwischen Juden und Muslimen ‚erfand‘. Eine Feindschaft, die heute zur Wirklichkeit geronnen ist.

Susanne Beer und Marten Düring | Hilfe für jüdische Verfolgte im Nationalsozialismus. Biographische und sozialstrukturelle Zugänge am Beispiel der Berliner Helferin Ruth Andreas-Friedrich

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Die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich gehörte zu den wenigen Deutschen, die während des Nationalsozialismus jüdischen Verfolgten aktive Unterstützung boten. Ihr Tagebuch aus den Jahren 1938 bis 1945 beschreibt die Verfolgungserfahrungen in ihrem sozialen Umfeld, einzelne Hilfebemühungen und die Entwicklung ihres Kreises von Freunden und Freundinnen zu einem komplexen Hilfsnetzwerk. Der Artikel untersucht anhand des Tagebuchs und weiterer Quellen, warum Andreas-Friedrich jüdischen Verfolgten half. Wir zeigen, dass eine Konstellation aus mehreren sozialen Faktoren ihre Hilfe begünstigte. Dazu gehörte ein unkonventioneller Lebensstil, enge emotionale Bindungen zu Verfolgten, ein gleichgesinntes soziales Umfeld und ihre Bewunderung charismatischer Helfer. Nachdem die meisten jüdischen Freunde/innen und Bekannten emigriert oder deportiert waren, kamen die Hilfeaktivitäten innerhalb des Netzwerkes fast vollständig zum Erliegen. Eine zweite Hilfephase setzte erst ein, nachdem ein jüdischer Flüchtling und ein besonders aktives Gruppenmitglied neue soziale Kontakte hergestellt hatten.