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Edna Herlinger | Jung, Jüdisch, Religiös. Russischsprachige Frauen und ihre individuelle ‚Rückkehr‘ zum Judentum

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Im Jahr 2001 eröffnete in Frankfurt/Main das erste religiöse Lehrhaus für jüdische Frauen in Deutschland. In dem von der Ronald S. Lauder Foundation finanzierten Internat lernen bis heute mehrheitlich junge Frauen aus der ehemaligen Sowjetunion. Diese zum Glauben „zurückgekehrten“ Studentinnen erleben im Verlauf ihres Studiums einen enormen religiösen Transformationsprozess, der nicht mit dem Auszug endet. Manche dieser Frauen haben mittlerweile Familien gegründet und sind nach Israel gezogen. Der Artikel erörtert die Entwicklungen zweier ehemaliger Internatsstudentinnen in beiden Ländern und geht anhand ethnografischer Untersuchungsmethoden der Frage nach, inwiefern das von ihnen angeeignete religiöse Normen- und Wertesystem ihr jüdisches Selbstverständnis und Alltagsleben bis heute prägt.

Anja Kreienbrink | „Unglücklich muß enden, was der göttlichen Ordnung zuwiderläuft“ – Ehekonzeptionen in der neo-orthodoxen Belletristik

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Die neo-orthodoxe Belletristik ist ein ästhetisch selbstbewusster Austragungsort der innerjüdischen Transformationsprozesse des 19. Jahrhunderts. Die in ihr geäußerte Kritik an Ehen zwischen religiös differenten Partnern ist Teil eines übergreifenden Diskurses über die Familie. Eine kulturwissenschaftlich orientierte Analyse macht die Spannungen deutlich zwischen der selektiven Übernahme bürgerlicher Konventionen und Geschlechterordnungen einerseits und einer Identität als distinkte religiöse Gruppe andererseits durch eine literarisch inszenierte Abgrenzung von orthodoxen und nichtobservanten Juden auf familiärer Ebene.

Claudia Prestel | Zwischen Feminismus, Antisemitismus und Zionismus: Neue berufliche Orientierungen jüdischer Frauen aus Deutschland und Österreich an Fallbeispiele

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Jüdische Frauen drangen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Berufe ein, die ihnen bis dahin aufgrund ihres Geschlechts und ihrer ethnisch-religiösen Zugehörigkeit verschlossen waren. Durch die berufliche Orientierung wurden sie zu „neuen Frauen“ da sie führend an der Berufsumschichtung der jüdischen Gemeinschaft beteiligt waren, und dies, obwohl sie in der weiblichen Sphäre verhaftet blieben. Im Gegensatz zu Studentinnen waren sie teilweise weniger dem Antisemitismus und der Frauenfeindschaft ausgesetzt und konnten sich ihren Lebensunterhalt verdienen, vor allem nach ihrer Auswanderung, da sie im Gegensatz zu Akademikerinnen leichter Arbeit fanden.

Irmtraud Ubbens | Moritz Goldstein: „… die anderen fühlen uns ganz undeutsch“. 100 Jahre Deutsch-jüdischer Parnaß. Eine Kulturdebatte in der jüdischen Presse (1912)

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Moritz Goldstein bezweifelte in seinem Aufsatz Deutsch-jüdischer Parnaß, der 1912 in der Zeitschrift Der Kunstwart erschien, die endgültige Integration der Juden in das deutsche Kulturleben. Der Aufsatz führte – neben der Diskussion im Kunstwart selbst – vor allem in der jüdischen Presse zu lebhaften Reaktionen. Obwohl es sich bei diesen Beiträgen um anschauliche Dokumente für die erbitterte innerjüdische Kontroverse handelt, die einen gemeinsamen Widerstand gegen den Antisemitismus verhinderte, fand diese Auseinandersetzung in der wissenschaftlichen Literatur bisher wenig Beachtung.