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Birgit Wiedl | Die angebliche Hostienschändung in Pulkau 1338 und ihre Rezeption in der christlichen und jüdischen Geschichtsschreibung
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Als Folge einer angeblichen Hostienschändung in dem niederösterreichischen Ort Pulkau kam es im Jahr 1338 zur Ermordung und Vertreibung der Juden aus zahlreichen Gemeinden in Österreich und angrenzenden Ländern. Die Erinnerung an diese Pogrome vermischte sich jedoch relativ rasch mit anderen Ereignissen dieser Epoche und wurde sowohl innerhalb der jüdischen als auch der christlichen Geschichtsschreibung unter (noch) weitreichenderen Verfolgungs- und Vernichtungswellen subsumiert. Als sich die jüdischen Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts der Geschichte der österreichischen Juden annahmen, waren die Verfolgungen des Mittelalters in der kollektiven Erinnerung bereits weitgehend zu einer einzigen verschmolzen. Der Artikel geht der Frage nach, wie es zu dem Verschwinden der Ereignisse in Pulkau aus dem kollektiven Gedächtnis kam.
Hendrik Niether | Briefe von Onkel Max. Schreiben aus dem Exil nach Leipzig, zwischen Shanghai und der SBZ, Israel und der DDR 1945-1969
Prochownik, Max, Seiffert, Alice, Cohn, Kurt, Shanghai ,Israel, Leipzig, DDR, GDR, Exil, exile, Wiedergutmachung, indemnification Kalter Krieg, Cold War
Im Mittelpunkt stehen die Briefe des Arztes Max Prochownik an seine in Leipzig lebende Nichte Alice Seifert. Als 1884 in Polen geborener Jude musste er die Stadt im „Dritten Reich“ verlassen. Er emigrierte zunächst nach Shanghai, ab 1950 lebte er in Israel. Seit der Rückkehr seiner Nichte aus dem Ghetto Theresienstadt stand er in engem Briefkontakt mit ihr. Exil und Remigration, der Alltag im Shanghaier Ghetto sowie im neu gegründeten Staat Israel werden in den Briefen ebenso thematisiert wie die unterschiedlichen Wege der Wiedergutmachung in beiden deutschen Staaten. Auf der einen Seite geht es um die Frage, was die familiären Kontakte ins westliche Exil und vor allem nach Israel für Juden in der DDR bedeuteten? Was wurde in den Briefen thematisiert und was ausgelassen? Auf der anderen Seite geht es um das Verhältnis der aus Leipzig emigrierten Juden zu ihrer ehemaligen Heimatstadt und um die Entscheidungsprozesse, die sie von einer Rückkehr abhielten.
Jonas Engelmann | Blank Generation? – Der amerikanische Punk als Reflexionsmedium jüdischer Geschichte
Punk, Subkultur, Jonas, Engelmann, Cultural Studies, Kritische Theorie, USA, Ramones, Kulturgeschichte, Hakenkreuz, Swastika, Erinnerungskultur, Shoah, memory, Holocaust
Ist Punk jüdisch? Dafür sprechen die zahlreichen Verweise auf jüdische Kultur und Geschichte im amerikanischen Punk der 1970er Jahre. Doch wie sind gleichzeitig die im Punk verbreiteten nationalsozialistischen Symbole zu deuten? Der Aufsatz zeichnet dieses ambivalente Verhältnis nach und stellt vor dem Hintergrund der Kritischen Theorie die These auf, dass gerade die Aneignung und Umdeutung des Hakenkreuzes einen Versuch des Punk darstellt, in dieser provokativen Geste auf die bereits von Adorno formulierte Gefahr hinzuweisen, dass Erinnerung an die Shoah ihres Inhaltes entleert wird, wenn sie in Ritualen erstarrt.
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